Eine durchschnittliche Hochzeit kostet 10.000 Euro!?

Zumindest glaubt das ein Großteil der Heiratswilligen in Deutschland. Kein Wunder, denn diese Zahl wird gerne auch von den Medien verbreitet – und nicht zuletzt ist auch der Wunsch oft Vater des Gedankens. Denn seien wir mal ehrlich: 10.000 Euro sind auch viel Geld. Umso wichtiger, mal für Aufklärung zu sorgen!

Die Frage “Was kostet eine Hochzeit?” lässt sich sehr anschaulich mit einer Gegenfrage: “Was kostet ein Auto?” beantworten. Die Reaktion darauf ist entweder “Oh, so viel??” oder “Ach, das geht ja!” Oder aber auch: “Naja, das kommt doch drauf an….”

Genau, ob eine Hochzeit als “teuer” oder “günstig angesehen wird, ist – ähnlich wie beim Autokauf – Ansichtssache – und die tatsächlichen Gesamtkosten gehen von – bis.

Die beliebte Zahl 10.000 Euro, die ziemlich fest in den Köpfen der Brautpaare verankert ist, wurde erst kürzlich wieder in einer auflagenstarken Tageszeitung genannt, die als Beleg gleich eine detaillierte Kostenaufstellung mitlieferte – bei der der Profi vor Fassungslosigkeit allerdings nur mit dem Kopf schütteln konnte.

Darin wurden Essen und Getränke mit 50 Euro angesetzt (beides zusammen wohl gemerkt), der Fotograf mit 50 Euro pro Stunde und der DJ mit 250 Euro all inklusive und all night long – um nur ein paar Beispiele zu nennen. Zugegeben, wer sich in dem Metier nicht auskennt, kann nicht wissen, dass diese Zahlen fern der Realität oder zumindest der gewünschten Qualität sind. Spätestens, wenn ich als Braut lese, dass meine Schuhe nur 30 Euro kosten sollen, müsste ich stutzig werden und die ganze Sache hinterfragen. Insofern hat der erwähnte Artikel vielleicht doch sein Gutes: ein halbwegs weltoffenes Brautpaar KANN darauf nicht hereinfallen.

Dennoch: die magischen 10.000 Euro sind auch bei Paaren als Hochzeitsbudget festgesetzt, bei denen beide berufstätig sind, die mit beiden Beinen fest im Leben stehen, gerne auswärts essen und sich auch sonst den einen oder anderen Luxus gönnen. Dieselben Paare möchten mit 70 bis 80 Gästen feiern und “wissen” auch schon, dass man für die Location inklusive Speisen und Getränke etwa 100 Euro pro Person ansetzen muss.

Und für “den Rest” sollen dann nur 2000 bis 3000 Euro ausreichen?

Nach oben sind die Grenzen natürlich offen. Nach unten hingegen sind sie es nicht: selbst mit der kleinsten Hochzeitsgesellschaft (sagen wir mal 30 Personen) ist eine Hochzeit unter 10.000 Euro nicht zu realisieren, wenn getanzt werden und das Ganze von einem Profi fotografiert werden soll. Die Dienstleister, ebenso wie Kleidung, Ringe, Stylist und Brautstrauß kosten nämlich immer gleich viel oder wenig, egal ob im kleinen Kreis oder großen Stil gefeiert wird. Soll heißen: deren Honorare und Preise sind nicht von der Personenzahl abhängig.
Und übrigens: NEIN! Es ist nicht alles automatisch doppelt so teuer, nur weil “Hochzeit” darauf steht. Das ist leider ein ebenso weit verbreiteter Irrglaube, wie der kleinste fünfstellige Betrag als Hochzeitsbudget. Mit diesem Klischee aufzuräumen, würde an dieser Stelle allerdings zu weit führen.

Und wie sind die Preisspannen bei einer Hochzeit nun tatsächlich, so ungefähr?

Berechtigte Frage, die wir unseren Brautpaaren bereits im Erstgespräch beantworten, damit sie nicht mit völlig verqueren Vorstellungen nach Hause gehen und wir die Planung auf einer vernünftigen Basis aufbauen können.

Für Location mit Speisen und Getränken werden gerne 100 Euro angesetzt, die je nach Region auch realistisch sind. In größeren Städten sollte man eher von durchschnittlich 150 Euro ausgehen. Die Location inkl. Essen und Getränken ist der höchste Kostenfaktor, macht erfahrungsgemäß aber nur in etwa die Hälfte der Gesamtkosten aus. Kleidung und Ringe sind aus dieser Faustregel ausgenommen, denn im Gegensatz zu den meisten Dienstleistern schwanken hier die Preise zu stark, als dass man einen Mittelwert ansetzen könnte.

Für eine Hochzeit mit 70 Personen sollte man also mindestens 14.000 Euro einplanen (70×100=7000 x 2 = 14.000) zzgl. Kleidung und Ringen, in Großstädten eher um die 20.000 Euro. Besonderheiten, wie Live-Musik, Shuttle für die Gäste oder Kinderbetreuung kämen noch hinzu.

Für beide Beträge bekommt man auch einen netten Kleinwagen mit oder ohne Sonderausstattung – aber eben auch nicht mehr. Wer im echten Leben einen Kleinwagen fährt, gibt generell sicher auch weniger für seine Hochzeit aus, als der Besitzer einer Luxuskarosse. Und die Doppelverdiener unter den Heiratswilligen fahren tendenziell eher einen Mittelklassewagen als einen kleinen.

Selbst den Kleinwagen gibt es in der Serienausstattung ohne Extras nicht mehr für 10.000 Euro (je nach Modell muss man zwischen ca. 11.000 und ca. 14.000 Euro zzgl. Überführungsgebühren rechnen). Und wer möchte bei einem Einmal-im-Leben-Kauf schon einen Wagen “von der Stange”?

Auch weddix hat den Bericht veröffentlicht. Hier geht’s zum Interview:
http://www.weddix.de/hochzeit-und-geld/was-kostet-eine-durchschnittliche-hochzeit-in-deutschland.html